Titelbild "Kein Bock, Papa zu sein"
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Warum es auch mal okay ist, wenn du keinen Bock mehr hast, Papa zu sein

Schnauze voll, endgültig. Genug davon, mir auf der Nase herumtanzen zu lassen, Punchingball zu spielen und immer liebevoll und ausgeglichen auf jede Eskapade zu reagieren. Einfach mal wieder einen Nachmittag nur auf der Couch liegen und lesen. Füße hoch und einfach nur…sein.

Kennst du solche Gedanken? Ich auf jeden Fall. Der Akku bei Eltern ist meistens eher halb leer, als halb voll. Tendenziell eher drunter. Und, meine Güte, ich habe ja bloß ein Kind – wie machen das, bitteschön, die vielen Alleinerziehenden, Mehrlingseltern und alle anderen mit mehr als einem Kind?! Und was ist dran an dem guten alten „Ein Lächeln gibt dir so viel zurück“-Schenkelklopfer? Lass’ uns doch mal auf die Suche nach Energiequellen gehen. Ein paar Gedanken dazu hatte ich dir ja schon in meinem letzten Artikel zu kleinen Auszeiten angeboten. Aber da gibt’s bestimmt noch mehr, was wir tun können!

Woher kommt der Energieverlust?

Zuallererst würde mich mal interessieren, wie es eigentlich dazu kommt, dass der Akku so verflixt niedrige Ladung hat. Was ist also der Grund, dass dir und mir als Papa so viel Energie verloren geht? Meine Theorie: es liegt an uns selbst – und nicht an den Kindern.

Kinder brauchen Aufmerksamkeit. Es ist eine Binsenwahrheit, aber jetzt mal ehrlich: wie sonst sollen sie erfahren, wer sie sind, wenn nicht indem sie Reaktionen hervorrufen und dann prüfen, was davon nützlich ist?! Beziehungen mit Eltern, die im besten Falle auf unbedingter Liebe basieren, sind dafür wie geschaffen. Hier ist der beste Rahmen, sich auszuprobieren und etwas darüber zu lernen, wie „ich“ mit „anderen“ und der „Welt da draußen“ eigentlich bin. Und dafür braucht es eben: Eltern. Dich und mich. Als Spiegel- und Tanzfläche. Als Menschen.

Und was brauchen wir dafür? Gefühle, richtig echte Gefühle. Und eine Sprache, sie zu vermitteln. Und dafür brauchen wir einen guten Kontakt mit uns selbst, eine Haltung, die man auch als „Selbstbewusstsein“ umschreiben könnte. Eine Haltung, die ausdrückt, dass ich – so wie ich bin – okay bin. Mit meinen Gefühlen und auch mit meinen Grenzen.

Hier kommt die einfache Wahrheit: wir haben oft völlig überzogene Erwartungen an uns selbst und die Ent-Täuschung über unser Scheitern an ihnen kriegen dann unsere Kinder zu spüren. In Frustration, Aggression und Kurzschlussreaktionen. Nur damit wir dann anschließend auch darüber wieder enttäuscht von uns selbst sind. Das macht doch einfach keinen Sinn! Kinder brauchen keine Superhelden, sondern echte Menschen.

Ey, Super-Papa, komm’ mal runter!

Schreiben wir uns das also mal auf die Fahnen: wir sind für unsere Kinder Vorbilder auch darin, was sie von sich selbst erwarten. Und mal ehrlich: was machst du mit einem übermüdeten Kind? Einem, dass einfach zu kaputt ist, noch einen geraden Gedanken zu fassen? Einem, dass vor Erschöpfung wütend und traurig wird? Hier darfst du nun übernehmen und eine für dich und dein Kind passende Strategie einfügen. Meine sieht in etwa so aus: Gang runterschalten, weich werden, Nähe spüren lassen, Sicherheit schaffen. Und vor allem: Ausruhen und sagen, dass es völlig okay ist, nach einem langen Tag, einer kurzen Nacht und wer weiß wie vielen Erlebnissen auch einfach mal erschöpft und unleidlich zu sein.

Kannst du dir das selbst sagen? Bitte, versuch’ es mal.

Wenn du, und davon gehe ich aus, ein Interesse daran hast, deinen Kindern ein konstruktives und gesundes Bild davon vermitteln möchtest, was es heißt, Mann im 21. Jahrhundert zu sein, dann übe dich bitte in Selbstliebe. Liebe deine Schwächen, deine Grenzen und deine Ängste. Sei zärtlich zu dir und pack’ das Superhelden-Kostüm in die Mottenkiste. Da gehört es hin.

Du bist ein Mensch und darfst dich menschlich behandeln. Wie kann das also aussehen?

10 Ideen für einen Papa, der gerade mal keinen Bock hat

  1. 5-Minuten-Atemübung: Schau’ dir mal meinen Artikel zum Thema Atmen an, vielleicht kannst du durch 5 Minuten bewusstes Ein- und Ausatmen ja schon etwas Energie zurückgewinnen – und dich nebenbei besser spüren lernen.
  2. Reframing: Etwas anspruchsvoller, aber effektiv ist es, der Situation eine andere Bedeutung zu geben, indem du ihre positiven Aspekte ausfindig machst. Kein Bock kann ja auch heißen, dass du Bock auf was anderes hast. Geht das auch mit Kind?
  3. Tu’ was: schnapp’ dir ein Kinderspielzeug und fang an, damit zu spielen. Entdecke es neu und vielleicht ist es ja eine Einladung an dein(e) Kind(er), mitzumachen. Ins Tun kommen reißt dich auf jeden Fall aus der Lethargie.
  4. Der Auszeit-Vertrag: ja, ich weiß, Durchbeißen ist doof. Aber vielleicht hilft eine Belohnung, die du dir nachher gönnst? Mach‘ mit dir selbst einen Vertrag, dass du dir AUF JEDEN FALL nach dem Zubettgehen der Kids etwas Gutes tust. Am besten etwas nur für dich, etwas, das sich nicht nach Papa-sein anfühlt.
  5. Papazeug: ich mache gerne einfach auch mal laut Metal-Musik an, wenn mir danach ist. Das finden nicht alle knorke, aber mir hilft es, wieder in meine Kraft zu kommen. Und manchmal entsteht auch ein spontanes, wildes Tänzchen mit dem Kind. Nennen wir es „musikalische Früherziehung mit Urschreitherapie“.
  6. Krankmeldung: melde dich bei der Familie krank und lass’ dich ein bisschen umsorgen, das geht auch spielerisch. Und so kommst du zumindest mal für ein paar Minuten in den Genuss, dich so richtig umsorgen zu lassen.
  7. Freundschaft: du hast eine:n Freund:in? Super. Rede darüber, wie es dir geht. Der beste Weg, Frust loszuwerden, ist, darüber zu reden. Denn wir sind soziale Wesen und brauchen den Zuspruch unserer Umwelt.
  8. Raus: Nein, du sollst nicht abhauen. Aber an die frische Luft zu gehen, hilft noch immer. Draußen verteilt sich die dicke Luft besser und du bekommst den Kopf eher frei. Und mit Kindern macht es draußen eh immer mehr Spaß als drinnen – passende Kleidung vorausgesetzt! 😉
  9. Massage: es gibt da eine wundervolle Art, sich selbst was Gutes zu tun – und das geht sogar relativ gut „nebenbei“. Massiere mit deiner rechten Hand den Punkt etwas unterhalb deines Schlüsselbeins, an der Vorderseite deiner Brust. Wenn du die Stelle gefunden hast, weißt du instinktiv, wie fest du drücken willst. Mache kreisende Bewegungen und spüre der Entspannung nach. Eine tolle Art, den Körper zu beruhigen – und damit auch die Gedanken.
  10. Lachen: es hilft doch wie ein Wundermittel! Mach’ einfach irgendeinen Quatsch und fang’ an zu lachen. Lass’ dich so richtig gehen und dreh’ einfach mal komplett am Rad. Das sollte dich auf andere Gedanken bringen. 😀

Und das sind nur die Dinge, die mir jetzt spontan eingefallen sind. Sicher kennst du von dir einige Tätigkeiten und/oder Gedanken, die dir schon früher mal geholfen haben. Wichtig ist, dass du dir etwas suchst, das dich nicht zusätzlich überfordert und deinen Anspruch an dich selbst weiter steigert.

Und zu zweit macht die Suche danach noch mehr Spaß! Ich bin gerne für dich da!

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